Entwicklung des Sehens

Ein Augenpaar muss grundsätzlich lernen oder wieder erlernen sich zu koordinieren das bedeutet, dass Bewegungen und Einstellmenchanismen gemeinsam und flüssig ablaufen müssen um sich vollständig entfalten zu können.

So gut jedes Auge für sich auch funktionieren mag -  wenn sie kein gutes Team bilden, lassen visuelle Wahrnehmungsstörungen meist nicht lange auf sich warten. Mit ihnen einher  gehen eine Vielzahl von Kompensationsversuchen.

So wird beispielsweise der Kopf geneigt um die abdeckende Wirkung der Nase zu nutzen, was zu Haltungsschäden im Rückenbereich wie etwa Skoliose führen kann. Oder es wird ein  kurzer Leseabstand gewählt was der Grundstein zur Schwachsichtigkeit sein oder zur Verschlimmerung dieser führen kann.

Stadien der Sehentwicklung:

  • Geburt: Foveola (Stelle des schärfsten Sehens) ist zwar vorhanden, aber noch nicht vollständig ausgebildet. Visus (Sehleistung) peripher liegt etwa bei 0,2. Hierdurch ist ein schemenhaftes Schwarz-Weiß-Sehen möglich.
  • 1.-5. Monat: periphere Sehschärfe nimmt noch etwas zu und stagniert dann. Die zentrale Sehschärfe entwickelt sich stetig weiter.
  • Ab dem 3. Monat sollte eine ausreichende Kontrastempfindlichkeit vorhanden sein. Dann beginnt die Akkommodation (Nah-Fern-Einstellung der Augenlinse) sich auszubilden.
    Hat sich die Kontrastempfindlichkeit nicht ausgebildet, sind keine Objektunschärfen vom Auge erkennbar und können somit nicht durch Akkommodation ausgeglichen werden.
  • 6. – 12. Monat: Beginn des Krabbelns:
    Diese Entwicklungsphase ist sehr entscheidend für die Ausbildung des Sehens:
    Während des Krabbelns bleibt der Kopf relativ ruhig, die Bewegung des Kindes ist flüssig. Das Bild des betrachteten Objektes wird mit den Augen „festgehalten“. Das Kind lernt, die Bildeindrücke beider Augen zu koordinieren (und zu fusionieren durch Akkommodation und Vergenz).

Ein Überspringen, bzw. Auslassen des Krabbelns kann später zu verschiedenen visuellen Problemen führen. Wenn das „visuelle Greifen“ nicht richtig funktioniert, ist auch das „Begreifen“ schwer.

Visuelle Wahrnehmungsstörungen sind nicht unsichtbar und lassen sich vor allem nachweisen

Durch spezielle Übungen wird die Koordination der Augen zueinander trainiert.

Je nach Alter oder äußeren Umständen sind die Bewegungsabläufe unterschiedlich entwickelt was ein gezieltes Training und einen persönlichen Trainingsplan nötig macht.

Wie muss man sich die Welt aus der Sicht der Betroffenen vorstellen?